Das zerbrochene Rad #NotMyDSA

Ich dachte mir, mit den Hörbüchern zu den „Das zerbrochene Rad“ Romanen von Ulrich Kiesow könnte ich wenig falsch machen. Ich wollte herausfinden, wie sich der Aventurien-Schöpfer selbst das Bornland vorgestellt hat und verstehen, wie er ein Abenteuer und Abenteurer gestalten würde. Was ich gefunden habe, lässt mich zu dem Schluss kommen: das ist nicht mein DSA.

Ulrich Kiesow ist der geistiger Vater Aventuriens und neben den ersten „Das schwarze Auge“ Regeln und den dazugehörigen Abenteuern, stammen auch einige Romane aus seiner Feder. Die „Das zerbrochene Rad“ Serie spielt im Bornland ab dem Jahr 1019 BF. Im erste Teil, „Dämmerung“, hebt Uriel von Notmark sein Heer im Norden aus, während im Süden Borbarads Truppen die ersten Siege verzeichnen. Doch Kiesow erzählt kein Epos von großen Schlachten, Dämonen und Paktierern. Er greift sich einige wenige Charaktere raus und erzählt ihre ganz persönlichen Geschichten in mitten des aufziehenden Sturms.

Cover zum Roman "Das zerbrochene Rad - Dämmerung"
Cover zum Roman „Das zerbrochene Rad – Dämmerung“ – Ulisses Medien und Spiel Distribution GmbH

Gleich vorweg: Mich hat der Auftaktroman „Dämmerung“, trotz mancher Längen, gut unterhalten. Und auch die weiteren Teile der Serie stehen weiterhin auf meiner Audible Wunschliste. Trotzdem gab es einige Szenen, bei denen mein Rollenspielerherz geblutet hat. Ich werde, so gut es eben geht, auf Spoiler verzichten. Um die grobe Beschreibung der folgenden Szene komme ich aber nicht drum rum:

Eine Reiterin, eine Heldin dieser Geschichte, stark, stolz und von blauem Blut, erreicht einen kleinen Weiler am Rande des Herrschaftsgebiets eines anderen Adligen. Dort, mitten auf der Straße: ein Schlagbaum. Mitten im Bornland, eine Zollstation, gleich mitsamt vier dreisten Söldlingen, die der Reisenden wenig freundlich den Weg versperren. Man hätte Befehle jeden Reisenden zu kontrollieren und den Zoll einzufordern. Eine Unverschämtheit, die sich eine echte Bronnjarin und Kriegerin Rondras nicht gefallen lässt! Ihr Schwert gleitet aus der Scheide und ist blitzschnell drohend auf den ersten Zöllner gerichtet. Seine Kumpane ziehen die Waffen. Eine Söldnerin springt mit einer Armbrust hervor. Wenige Momente später sind Söldnerin und Zöllner tot. Die Bronnjarin steigt vom Pferd und wirft einem der beiden verbliebenen Söldner, offensichtlich Brüder, ihre Waffe zu. „Sauber machen!“ schnaubt sie den Befehl. Der junge Mann zögert kurz, glaubt seine Chance zu wittern. Doch das will die Adlige nur. Sie hat den Dolch schon umgriffen und fordert ihr Gegenüber mit verhöhnenden Worten, seine Chance doch am Schopfe zu packen. Er verfehlt und geht mit einem Dolch im Schädel zu Boden. Sein Bruder, der letzte der Söldner, stürzt heulend zum Sterbenden. Sie ergötzt sich an seinen Schreien und fordert ihn auf, ihr ihre Waffe zurückzugeben; sie aus dem Schädel seines eigenen Bruders zu reißen, abzuwischen und ihr zurückzubringen. Er gehorcht und rettet so sein Leben.

Vielleicht ist das ja eine Anekdote aus Kiesows eigener Spielrunde. Ich kenne solche Szenen nur zu gut. Eine eigentlich harmlose Situation, einfach zu lösen mit ein paar Worten, Kooperation und wenigen Silberstücken. Aber die „Helden“, oder besser ihre Spieler, sehen das ganz anders. Ihr Charakter wurde verunglimpft! Das rechtfertigt in jedem Fall tödliche Gewalt! Sind ja eh nur Söldner und außerdem darf der Adlige hier eh keinen Schlagbaum aufstellen. Also eigentlich ist das ja quasi Wegelagerei und Selbstverteidigung, irgendwie. Und der Rest ist ja nur, weil der Charakter so ein harter Hund ist und markige Sprüche klopfen soll. Das ist ja nicht irgendwie unmoralisch oder sowas. Man könne ja gar nicht anders handeln, wenn man seinen Charakter richtig spielen wollte!

Um den Bogen zum Titel dieses Blogartikels zu schließen: Das ist nicht mein DSA. Für Spieler, deren Charaktere bei der geringsten Provokation mit blanker Klinge voranschreiten und für die grausame Gewalt zur Charakterzeichnung gehört, leite ich nicht. In einem realistischen Aventurien, würden als Reaktion auf solche Taten, ganze Haufen Bewaffneter den Missetätern nachstellen und ihnen den Garaus machen. Zu Kiesows Verteidigung: Das ist genau, was als nächstes passiert! Am Spieltisch würde das aber in der Regel das Ende des Abenteuers bedeuten, was für alle Beteiligten unbefriedigend sein dürfte.

Diese Aggressivität der Hauptcharaktere, die scheinbar frei von jeglicher Empathie und ohne über die Folgen ihres Handelns nachzudenken agieren, taucht noch in weiteren Szenen des Romans auf. Was bei Borbarad und anderen Antagonisten durchaus zur Charakterzeichnung passt, wirkt bei einigen der vermeintlichen Helden der Geschichte fehl am Platz. Ob Ulrich Kiesow sich die Helden einer Runde „Das schwarze Auge“ so vorgestellt hat? Meinen Nerv trifft es jedenfalls nicht.

Eine kleine Anekdote aus meiner Runde: Unser Krieger überlegte einige Zeit lang, ob er die Punkte die er in den waffenlosen Kampf investiert hatte, nicht lieber anderweitig vergeben sollte. Schließlich hatten wir noch nie eine unbewaffnete Auseinandersetzung! Womöglich hat das etwas damit zu tun, dass eben dieser Krieger schon sein Schwert zieht, wenn ihn der Büttel nur schief ansieht…

Fazit

Ob ich eine der Protagonistinnen der Romanreihe nun leiden kann oder nicht, tut dem Gesamterlebnis der Hörbücher keinen Abbruch. „Das zerbrochene Rad – Dämmerung“ hat mir insgesamt sehr gefallen und mich zum Nachdenken angeregt. Wie Aventurien und im speziellen das Bornland dargestellt werden, gefällt mir sehr und ich denke ich konnte einige Anregungen für meine aktuelle „Theaterritter“ Spielrunde mitnehmen.

Wenn ich die anderen Teile der Romanreihe gehört habe, lasse ich wieder was von mir hören.

Bis dahin, viele Grüße

featherandsword / Michael


Die Verwendung von Abbildungen und Zitaten erfolgt in Übereinstimmung mit den Fanrichtlinien der Ulisses Medien und Spiel Distribution GmbH.

Verwendetes Kartenmaterial stammt aus dem Kartenpaket der Ulisses Medien und Spiele Distribution GmbH und unterliegt der hier abrufbaren Lizenzvereinbarung.

Disclaimer: DAS SCHWARZE AUGE, AVENTURIEN, DERE, MYRANOR, THARUN, UTHURIA und RIESLAND sind eingetragene Marken der Significant Fantasy Medienrechte GbR. Ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Ulisses Medien und Spiel Distribution GmbH ist eine Verwendung der genannten Markenzeichen nicht gestattet.

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7 Gedanken zu “Das zerbrochene Rad #NotMyDSA

  1. Am „Ende“ ist es aber auch nur ein Spiel – nie mehr, nie weniger.

    Was wie ein Glücksgriff in den Phrasentopf klingt ist gleichzeitig mein voller Ernst. Wäre es nicht möglich, dass einige Spieler aber genau das wollen? Konflikte mit Stahl/Magie lösen, XP erneten, Leveln und weiter machen? Mit mehr Stahl/stärkerer Magie? Ich möchte die Leitungshaltung „was-würde-den-in-so-einer-Welt-wirklich-als-Konsequenz-passieren“ nicht herabsetzen. Es ist, wie featherandsword Anfangs geschrieben hat: #NichtmeinDSA
    Zuviel Taschenpsycholgie (Psyochpath, Verrohung) allerdings hineinzuinterpretieren ist #NichtmeinHobby

    Gefällt 1 Person

    1. Oh Gott, ich hätte das mit den Hashtags nie anfangen dürfen! 😉
      Ich gebe dir da vollkommen Recht, das ist einfach Ansichtssache. Nur weil ich so nicht spielen will, heißt das nicht, dass das anderen auch so geht. Wie immer: So lange die Gruppe Spaß hat, macht man irgendwas richtig.
      Das vorangegangene Kommentar vom Frostgeneral war auch glaube ich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Und so will ich meine Meinung auch gelesen wissen. Der Artikel ist ein etwas überspitzter Kommentar zu einem Problem dem ich immer mal wieder begegne und nicht die generelle Verteufelung eines bestimmten Spielstils.

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    1. Em, Spoiler Warnung 😀
      Ja, genau die. Wie gesagt, dass gerade ein Kiesow Lieblingscharakter so drauf ist, hat mich Mal schlucken lassen. Das ist schon alles ganz okay erklärt aus ihrer Sicht. Aber für den Rest Aventuriens hat die Dame kaltblütig 3 offizielle eines anderen Grafen erschlagen. Und ich sehe das auch so.

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  2. Ich bin mir nicht sicher, ob ich an der Stelle das Rollenspiel und die Romane miteinander vermengen würde. Im Rollenspiel wäre das sicher nicht mein Fall, weil vollkommen unangemessen und unnötig brutal. Aber im Roman soll es eben Thesia als knallharte Kämpferin zeigen, die im Zweifelfall gnadenlos sein kann. Das mag den Rollenspieler eventuell verstören (später kommt da noch eine Szene bei einer Feier, die mein Bild von Thesis mehr gestört hat), ist aber für die Romanfigur möglicherweise passend. Ich persönlich ziehe da eine klare Trennlinie, NSCs im Spiel und im Roman unterscheiden sich in meiner Wahrnehmung oft massiv, weil man hier Figuren nicht im grober Ausführung an die Hand gegeben bekommt, sondern die konkrete Aufassung eines Autors von dieser Figur. Und der Autor ordnet dies in der Regel der Dramaturgie unter und braucht hier eben eine Kämpferin, die gleichermaßen fähig wie kompromisslos ist.

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